Der letzte wilde Tag

Wildblog Team, 26. Juli 2014

Felix

 

Die ersten Sonnenstrahlen scheinen auf die zwei Gletscher, als ich aus dem Zelt  komme und mich ausgiebig räkele: Der letzte volle Tag in der Wildnis bricht an.

Ich mache mich mit den Stipendiaten und ein paar anderen auf den Weg in verschiedene Wildnispatenschaftsgebiete. Es macht sehr viel Spaß, mit wenig Gepäck durch das Unterholz zu spraddeln (= zu laufen, ein neuer Ausdruck, den Kai und Hannes gerne sagen und wir übernommen haben). Heute schießt unser Fotograf Sami noch viele Fotos von uns und unser Kameramann Boas nimmt kleine Sequenzen der Stipendiaten in dem Wald auf. Die Arbeit ist witzig, nimmt aber mehr Zeit in Anspruch als gedacht.

Das Mittagessen fällt heute sehr prächtig aus, da die Nahrungsmittel aufgebraucht werden müssen. Zum Nachtisch gibt es frisch gebackene Pancakes mit Ahornsirup (an denen ich mich überesse).

Am späten Nachmittag hangle ich mich gemeinsam mit ein paar anderen an einem gespannten Seil über den Little Toba. Das Wasser steht kühlend nur bis zu meiner Hüfte, aber ohne Führung am Seil würde ich der Strömung des Gletscherflusses nur schwer widerstehen können. Am gegenüberliegenden Ufer angekommen, muss ich zuerst durch eine dicke Gestrüppwand, doch hinter dieser wartet eine Überraschung: Ich erblicke eine völlig neue Waldstruktur. Mit offenem Mund starre ich auf gigantisch große und alte Riesenlebensbäume, Douglasien und Ahornbäume. Im Unterschied zu den bisher erkundeten Wäldern häufen sich hier die Urwaldriesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die jahrhundertelange Anstrengung der Bäume durch eine Kettensäge zunichte gemacht werden würde. Auf dem Boden entdeckt Tobias Saprophyten, weiße Pflanzen ohne Chlorophyll, die die magische Stimmung des Ortes vervollständigen.

Am Abend sitze ich noch sehr lange in der Gruppe am letzten und dadurch emotional geladenen Lagerfeuer. Der Gedanke, dass es morgen aus der Wildnis wieder in die Zivilisation geht, betrübt mich. Später laufe ich etwas weiter an den Rand der Sandbank, lege mich in den Sand, hänge meinen Gedanke nach und sauge die ruhige Stimmung dieses Ortes ein. Der geniale Sternenhimmel fesselt mich und hält mich vom Schlafen ab. Der Himmel spiegelt sich zudem in dem kleineren und ruhigen Flussarm wieder. Ich habe noch nie so viele Sterne und eine so schöne Milchstraße gesehen. Ich gehe erst spät ins Bett.

 

Felix – der letzte wilde Tag – Sonnenschein auf den Gletschern – viele Fotos und Filme in der Wildnis – abenteuerliche Flussquerung.


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