• Forschungsmittelpunkt am Ende der Welt – Ein Porträt
  • Vom Ende der Welt
  • Ein Stück unberührter Natur inmitten des Farmlandes
  • Mitten im Regenwald – Leben einmal ganz anders
  • Warten oder Sein? Ein Versuch im Denken.
  • Am Strand von Maunganui
  • Indien, wie soll man dich fassen?
  • Naturschutzprojekt: Limestone Island
  • Bilder aus dem wunderschönen Neuseeland
  • Ein Flug ins Unbekannte – Ein Abenteuer beginnt
19. Mai 2012 Josef / Featured, featured, WildBlog

Liebe Wildblog-Leser,

ich quäle mich den Berg hoch – Meter für Meter, Pedalentritt für Pedalentritt. Der Gipfel scheint in weiter Ferne, doch mit jedem Höhenmeter wird die Sicht über den Akaroa Habour besser. Endlich, nach einem ewig langen Anstieg, erreiche ich den Kamm. Vor mir erstreckt sich nun der Pazifische Ozean mit seiner tiefblauen Farbe.
Was bewegte mich dazu, diesen Berg mit dem Fahrrad zu erklimmen?
Eine lebende lokale Legende: Hugh Wilson. So wirkte es zumindest für mich, denn ich hörte diesen Namen etliche male. Weshalb er solch eine lokale Berühmtheit ist, erfuhr ich später.
Nun ließ ich mich erst einmal rollen, bis nach einigen Kurven ein Haus zum Vorschein kommt. Und als ich das Tor erreiche habe ich auch Hinewai erreicht. Ich wusste, dass es sich hierbei um ein großes Naturschutzprojekt auf der Banks Peninsula, einer Halbinsel vulkanischen Ursprungs vor Christchurch, handelt. Mehr nicht – umso interessierter war ich, darüber mehr zu erfahren und Hugh Wilson persönlich kennenzulernen.
„Where are you from?“ – „Germany“ – „Guten Tag und willkommen. Es ist eine sehr schöne Tag heute“. Mit diesen freundlichen Worten wurde ich empfangen. Nachdem ich mich erst einmal vorstellte, wurde ich gleich zum Kaffee eingeladen. Hugh Wilson, 67 Jahre jung, ist Leiter des Naturschutzprojektes, welches das eifrigste und zugleich auch größte wissenschaftliche Projekt der Halbinsel ist. Es ist unglaublich, wie fit dieser Mann ist – einst beschloss er, nicht mehr mit Autos zu fahren, sodass nur das Fahrrad bleibt. Hiermit fährt er in die Stadt, 700 Meter tiefer gelegen, und zurück, um alle Lebensmittel zu holen. Allein das ließ mich schon sehr erstaunen. Doch noch viel spannender ist die Geschichte seines Lebens und des Naturschutzgebiets. Letztlich hatte ich das Glück, für eine Woche mitzuhelfen und so einen besseren Einblick zu bekommen. Eine unvergessliche Zeit…

Ein Vollblut-Botaniker – so könnte man Hugh Wilson beschreiben. Geborgen in Timaru und aufgewachsen in Christchurch verließ er nach der Schule das wunderschöne Neuseeland, um in Borneo für ein Jahr Englisch zu lehren. Von dieser Zeit tief geprägt, kehrte er nach Christchurch zurück, um Philosophie und Englisch zu studieren. Doch ein Bereich interessierte ihn ganz besonders, das Fach der Botanik. Nach dem Studium der Pflanzenlehre zog es ihn in die entlegensten Ecken Neuseelands. In Forschungsprojekte involviert arbeitete er am Mt. Cook, höchster Berg Neuseelands, und auf Stuart Island, einer südlich von Neuseeland gelegenen Insel. Erforscht wurde die Flora dieser Gebiete, immer der Frage nach: Wie viele und welche Pflanzen sind vorhanden? Dies ist auch der Grund für seine Bekanntheit unter Kollegen, denn nach jahrzehntelanger Arbeit veröffentlichte er mehrere botanische Bücher über die beiden Regionen.
Doch vor 25 Jahren zog es ihn an einen anderen Ort, zur Banks Peninsula. Diese Halbinsel hat eine sehr abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Erst von Urwäldern bewachsen, wurden diese durch zwei Besiedlungswellen, die der Polynesier und später der Europäer, komplett gerodet. Viele, viele Quadratkilometer von Beech-Forest schienen für immer verloren. Doch viele Anwohner wollten die Zukunft, welche zur Geschichte werden wird, umschreiben. Und so wurde Hugh Wilson gefragt, ob er nicht ein Gebiet finden könne, welches lohnenswert wäre, wieder aufgeforstet zu werden. Es hätte wohl kaum eine schönere Aufgabe für ihn geben können. Gesucht – gefunden! Das jetzige Hinewai Reserve besitzt ein beachtliche Größe von 1250 Hektar. Mit Bergen von über tausend Metern Höhe und malerischen Buchten am Fuße von diesen hat dieses Naturschutzgebiet fast alles zu bieten. Einige Bereiche, ca. 50 Hektar, beinhalten letzte Überbleibsel des alten Primärwaldes. Doch größtenteils handelt es sich um wiederaufgeforsteten Sekundärwald. Und genau dieser Wald ist es, der im Forschungsmittelpunkt steht. Wie schnell lässt sich ein Wald wieder komplett aufforsten? Welchen Einfluss haben eingewanderte Pflanzen aus anderen Ländern? Wie viel Kohlenstoffdioxid bindet dieser Wald verglichen mit dem Primärwald und wie schnell findet eine Entwicklung statt? Welche Auswirkungen zeigt der Klimawandel auf dieses Projekt?
Dies sind nur einige der Fragen, welche hier untersucht werden. Und daher wundert es auch nicht, dass es sich hier um einen Treffpunkt von Forstwissenschaftlern, Biologen, Meteorologen, Klimatologen und Botanikern handelt. Auch nicht zu vergessen sind die Geologen, welche hier ihre Seismographen installiert haben.
Während ich mit Hugh Holz für den kommenden Winter säge, erzählte er mir all diese interessanten Geschichten und Fakten, und dass er vor 25 Jahren ebenso gefragt wurde, ob er denn dieses Projekt als Manager begleiten möchte. Seine Antwort: „Ja, jaa, jaaaa! Ich kann mir nichts besseres vorstellen!“
Gesagt, getan – bis heute kann er sich kein anderes Projekt vorstellen und man merkt in jeder Sekunde, mit welchem Herzblut er bei der Sache ist, was mich tief beeindruckt
Die nächsten Tage wandern wir durch den Wald, im Schlepptau eine große Gruppe an Forstwissenschaftlern. Sie sind hier, um eine der genannten Fragen zu klären – wie groß ist der Carbongehalt der Pflanzen im renaturierten Wald?
Unterdessen fliegt ab und an ein Robin vorbei, ein kleiner Vogel, welcher mehr als neugierig ist, was hier geschieht. Er scheint jegliche Scheu verloren zu haben und setzt sich fast auf meinen Arm. Hugh spricht mit ihm ausschließlich maorisch – es ist das Land der Ureinwohner Neuseelands und all diese Lebewesen sind Teil davon. Aus diesem Grunde wählt er respektvoll diese Sprache.
Mittlerweile wundert es mich auch nicht mehr, weshalb mir so viele der umliegenden Bewohner von ihm erzählten. Chris Todd, Manager von Forest and Bird auf der Südinsel, der größten Naturschutzorganisation Neuseelands, fasste es knapp und klar zusammen: „He’s a wonderful human being“
Mich bewegen solche Projekt sehr, zeigen sie doch, was man mit genügend Willenskraft für beeindruckende Ergebnisse erzielen kann. Und sind sie doch den wenigsten bekannt, da kaum jemand in diese entlegene Ecke unserer Erde kommt.
Die folgenden Tage steht ein weiteres Großprojekt für das Hinewai Reserve an. Es war der 4. September 2010. An diesem Tag begann ein dunkles Kapitel für Christchurch und die umliegenden Regionen. Ein heftiges Erdbeben erschütterte die Region und ließ tonnenschwere Felsbrocken durch die Täler des Naturschutzgebietes rollen. Unfassbar, welche Energien bei solch einem Beben frei werden. Leider wurde auch das Manager-Haus arg beschädigt – gut kann ich die Risse sehen, welche sich durch die Wände ziehen, als ich in der gemütlichen Küche Tee trinke. Aus diesem Grund wird nun ein neues Haus errichten, bei dessen Aufbau viele Verwandte und Freunde mithelfen. Seine Geschwister haben jeweils ähnlich abwechslungsreiche Lebensgeschichten zu erzählen – und begrüßt wird sich auf maorisch. Die Lebensfreude in ihren Gesichtern ist wunderbar anzusehen.
Nach einigen Tagen endet für mich die unvergessliche Zeit in Hinewai. Als Abschied unternehme ich eine Tageswanderung durch das Gebiet. In jahrzehntelanger Arbeit wurden Tracks angelegt, welche Besuchern die Möglichkeit geben, das Areal zu erkunden. Gleich in der Nähe befinden sich noch uralte Bäume, welche als Red Beech bezeichnet werden. Schnell wechselt das Bild und viele verkohlte Bäume erstrecken sich vor mir. Erst im letzten Jahr wurde ein recht großer Teil des Waldes durch ein Feuer, ausgelöst durch einen Blitzschlag, niedergebrannt – doch das ist Teil der Natur. Schließlich erreiche ich eine kleine Bucht mit einem traumhaften Strand. Auf dem Rückweg folge ich dem Flusslauf, entlang welchem immer wieder wunderschöne Wasserfälle zu sehen sind.
Mein Eindruck: Das Projekt ist ein riesiger Erfolg. Und dieser Eindruck deckt sich mit dem von Hugh Wilson und den Wissenschaftlern. Die jahrelange Forschungsarbeit zeigt, dass die Renaturierung bzw. Wiederaufforstung noch schneller voranschreitet, als man es sich erhofft hatte. Teils gehen sogar eingewanderte Pflanzen, wie das gelb blühende stachelige Gore und die einheimischen Gewächse eine Art Symbiose ein. Dadurch, dass erstere schneller wachsen, geben sie den bekannten Baumriesen eine Chance, sich wieder geschützt anzusiedeln. Insgesamt konnten 327 neuseeländische Pflanzen in Hinewai nachgewiesen werden.

Ich bin schon gespannt, wie sich dieses Projekt weiterentwickeln wird. Und ich bin mir sicher, dass man aus dieser Region noch einiges hören wird.
Ich bin sehr dankbar, dass ich für einige Tage Teil des Projektes sein durfte und so verlasse ich das Naturschutzgebiet mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck. Dieses mal nicht mit dem Fahrrad, sondern mit Wanderschuhen und Rucksack. Denn die Reise geht weiter, weiter ins Unbekannte…

Aus Neuseeland grüßt euch
Josef

08. Mai 2012 Josef / WildBlog

Liebe Leser,

E-Mobilität – unter diesem Stichwort steht dieser Artikel.
Zugegeben, das folgende Produkt, was mir da über den Weg gelaufen, wohl eher gefahren ist, bedarf schon einiger Gewöhnung, wenn man es erstmals auf der Straße sieht. Doch um was genau handelt es sich hierbei und was sind die Hintergedanken bei der Produktentwicklung?
Um das Herauszufinden, habe ich mich auf den Weg nach Christchurch gemacht, welches leider immer noch arg vom Erdbeben getroffen ist. Für mich persönlich wirkt es fast so, als wäre das Beben erst gestern gewesen, wenn ich entlang der abgesperrten Innenstadt laufe. Was für ein trauriger Anblick…
Mit Maria Key, der Kundenberaterin, habe ich einen Termin vereinbart, um mehr über ein völlig neues Fahrrad zu erfahren – das Yikebike. Als ich die Bilder im Internet gesehen habe, musste ich auf jeden Fall schmunzeln. Doch steckt hinter dieser Entwicklung mehr, als nur ein ungewohnt designetes Gefährt. Es handelt sich hierbei um ein Elektrofahrrad, welches seit fünf Jahren entwickelt wird und mehr und mehr erfolgreich verkauft wird. Mit zwanzig Kilometern pro Stunde und einer Akkureichweite von zehn Kilometern kann es gut in der Stadt genutzt werden und innerhalb von 40 Minuten an jeder normalen Steckdose aufgeladen werden. Die Kosten sind jedoch eher abschreckend, denn aktuell liegt der Preis in Deutschland bei 3500 Euro und mehr. Was ist nun also das innovative und vorteilhafte an diese Elektrofahrrad? Schließlich gibt es bereits eine Vielzahl von diesen…
Zum einen ist es das Gewicht von ca. zehn Kilogramm, zum anderen die Größe, denn zusammengeklappt kann man es leicht überall hin mitnehmen. Aus diesem Grunde ist es vor allem angedacht, dass Geschäftsleute dieses Fahrrad nutzen, um zu Treffen zu gelangen und dabei die Umwelt zu schonen sowie nicht lästig nach Parkplätzen zu suchen. Des Weiteren ist das Ausleihen der Fahrräder Ziel – beispielsweise, um kleine Einkäufe zu erledigen und dafür nicht das Auto nutzen zu müssen. Letzteres ist vielleicht eher fraglich, da ich mich als Vielfahrradfahrer natürlich frage, wieso man dafür nicht auch in die Pedalen treten kann.
Besonders gespannt war ich natürlich auf die Testfahrt! :) Erst war es schon eine recht wacklige Angelegenheit, doch man gewöhnt sich tatsächlich recht schnell an die ungewohnte Fahrweise.
Der Gedankengang, mit diesem Produkt auch die Umwelt zu schützen, ist auf jeden Fall ein schöner und besonders der Ansatz, das Gefährt für geschäftliche Zwecke zu nutzen, ist ein sehr interessanter – schon alleine der Anblick, einen Geschäftsmann mit Anzug und Krawatte auf diesem kleinen Fahrrad zu sehen, lässt mich hoffen, dass diese Entwicklung Erfolg hat. ;)

Ich bin auf jeden Fall mehr als gespannt, wie sich das Ganze weiterentwickelt und für so manche Einsatzbereiche macht es sicherlich auch Sinn, tatsächlich dieses Elektrofahrrad zu nutzen.

Hiermit endet ein Wildblog-Bericht der etwas anderen Art aus Neuseeland. Das Schöne an diesem Projekt ist, dass es zeigt, wie wichtig es ist, Ideen einfach umzusetzen und nicht zu zögern. Besonders in Richtung Umweltschutz sollte es viele solcher Ansätze geben, um vom Öl wegzukommen. Ob bzw. welche Ansätze von Erfolg gekrönt sind, wird die Zukunft zeigen…

Viele Grüße vom anderen Ende der Welt
Josef

 

12. März 2012 Florian / WildBlog

Der englische Abenteuerjournalist Bruce Perry begab sich auf eine Reise ins Land der Gwich’in-Indianer im Yukon Territory im nördlichen Kanada. Schon im Jahr 2008 war die erste Schülerexpedition auf der Reise durch das “Land of The Painted Mountains” unterwegs. Nun hat auch Bruce Perry mit den First Nations einen Sommer verbracht um mit ihnen am Porcupine River auf Jagd zu gehen und ihre Lebensgewohnheiten zu erkunden. Dabei stehen vor allem die Bedeutung der Karibuherde für die knapp 500 Einwohner in Old Grow im Vordergrund. Aber auch über die großen, naturzerstörenden Ölfelder im Norden Alberta’s wird in der Sendung berichtet. Eine interessante Dokumentation über das Leben am Polarkreis, der First Nation in Kanada und dem Milliardengeschäft der Ölindustrie.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1519336/Bruce-Parry:-Kanada

Einige Filme zu den Reisen der Schülerexpeditionen finden sich hier:

http://www.wilderness-international.org/medien/filme/

 

 

07. März 2012 Luka / ExpedBlog

Halllo liebe Wildblog Leser !

Wir eröffnen bald unsere große Ausstellung über die Stipendiatenreise 2011 mit den entstandenen Ergebnissen.

Als Pflanzenteam erstellen wir ein Memory über Pflanzen und deren spezielle Nutzungen und wir präsentieren gepresste Pflanzen.

Das ist mein Text dazu:

 

„Denken Sie an all die alten Pflanzen und an all die damit verbundenen Kenntnisse welche in den letzten Jahren verloren gingen. Denke ich daran, schweifen meine Gedanken zu SH’NAAN, dem Medizinmann, der alles weiß.“

Tusilem, Cowichan Indianer

Ethnobotanik

Ethnobotanik ist die Verwendung der Pflanzen zum Nutzen der Menschen. Wir, einige Teilnehmer der Stipendiatenreise 2011 nach Kanada, haben uns auf die Verwendung der Pflanzen in der Kultur der Cowichan Indianer, einem Stamm auf Vancouver Island, spezialisiert.

Eindrücke aus dem Primärwald

Der Primärwald in dem Gebiet von Vancouver Island ist umgeben von dem Busch. Das ist ein kleinerer Wald, vorwiegend bestehend aus Büschen und kleineren Bäumen. Der Boden im Primärwald ist bedeckt von Moos und der Himmel von den Baumkronen. Am schnellsten prägen sich die Farne ein, die weit verbreitet sind, aber auch die Bäume, an deren Ästen und Stämmen Flechten und Farne hängen sind sehr markant. Auf den ersten Blick wirkt alles einheitlich grün und saftig. Beim genaueren Betrachten bemerkt man einige braune Blätter und es fällt das warme Braun von den umgefallenen Bäumen auf dem Boden auf.

Die Pflanzenvielfalt in den  letzen temperierten Regenwäldern Westkanadas und die Kenntnisse von deren Nutzung sind eine Ausnahme. Heutzutage holt man sich Arzneimittel in der Apotheke und dem Supermarkt. Kaum einer stellt noch Tee oder Medikamente selber her. Wir  vergessen, dass die meisten Inhaltsstoffe unserer „modernen“ Medikamente von Heilpflanzen ausgehend entwickelt wurden. Dabei geht das Wissen im Bezug auf die Pflanzen verloren. Deswegen ist es wichtig, dass  das ursprüngliche, traditionelle Wissen bewahrt  wird.

Bei den Indianern aus Westkanada, bei denen wir 4 Wochen lang zu Besuch waren ist das Wissen über die Verwendung von Pflanzen zum Nutzen der Menschen und einige alte Geschichten noch teilweise vorhanden. Doch leider geht auch bei ihnen das Wissen über das Potential der Pflanzen langsam verloren oder man findet die Pflanzen, die noch vor einiger Zeit als sehr häufig galten gar nicht mehr. Durch die Zerstörung der letzten temperierten Regenwälder in Westkanada verschwinden auch die nutzbaren Pflanzen, da ein Kahlschlag nicht nur Massen an Bäumen, sondern auch einen einzigartigen Lebensraum auf lange Zeit zerstört, wenn nicht vollständig vernichtet. So verschwindet mit den Pflanzen langsam aber stetig auch das Wissen über ihre Nutzung. So wie in der Kultur der Cowichan Indianer haben auch unsere Vorfahren vom Zusammenwirken mit der Natur gelebt, auch wir brauchen die Natur, für Sauerstoff, Nahrungsmittel oder  Erholung. Deshalb engagieren wir uns für ihre Erhaltung.

Mit den Indianern sind wir in die letzten Temperierten Regenwälder Kanadas gereist. Dort konnten sie  uns einiges erklären und zeigen. Die Pflanzen werden sowohl als Nutzpflanze, als Nahrungsmittel, als auch für Rituale oder zur Herstellung von Medizin verwendet. Es gibt eine ganze Reihe von Pflanzen, welche essbar sind oder die für Tee verwendet werden können. Allerdings haben wir auch Pflanzen gesehen, die (wie zum Beispiel die Flechte „Lichen“) getrocknet Mücken oder Fliegen abhalten können. Außerdem sollen einige Pflanzen, in der Tradition der Indianer, über einer Tür hängend böse Geister fern halten. All diese Nutzungen zeigen die Verbundenheit der Cowichan mit der Natur und den Pflanzen. Fast für jede Pflanze konnten uns die Ältesten aus dem Stamm eine Geschichte beziehungsweise eine Nutzung erzählen. Außerdem spielt es in der Tradition der dort lebenden Indianer eine große Rolle, dass man, wenn man sich etwas von der Natur nimmt, auch etwas zurück gibt. So haben wir, wenn wir eine Pflanze abgeschnitten haben, einen Dank an die Natur in Form von Tabak  hinterlassen.

Die gesammelten Pflanzen wurden gepresst und exakt bestimmt. Wir ließen uns die traditionelle(n) Nutzungen von den Cowichan erklären. Außerdem haben wir die Pflanzen, welche für medizinische Zwecke genutzt wurden, getrocknet und Extrakte mithilfe eines Destillationsapparates hergestellt und sie in hochprozentigen Alkohol eingelegt. Zurück in Deutschland wurden sie an das Krebsforschungszentrum in Heidelberg geschickt und auf ihre Wirksamkeit getestet.

Die hier ausgestellten Exemplare sind einige Beispiele der typischen Vegetation der  temperierten Regenwälder  in Westkanada.

 

Wer diesen Ausstellungstext im Original erleben möchte, kann dies ab April/Mai 2012 in der Ausstellung tun. Weitere Informationen folgen.
27. Februar 2012 Karl / Allgemein, WildBlog

 

Ich erinnere mich gern an das Sesamstraßen-Album“Unsere Erde” (Our Earth). Es begeistert Kinder melodisch für einen rücksichtsvollen Umgang mit Ihrer Umwelt und regt zum mitsingen an. Obwohl ich seit jeher kein guter Sänger war, konnte ich jedoch dem Allzeitschlager „Denke im Park an die Tauben“ wie viele meiner Altersgenossen kaum widerstehen und stimme noch heute bei Gelegenheit mit ein.

Besonders Lieder mit Imperativ-Titeln vergisst kaum ein Kind. Der Hit “Wirf Keinen Müll in das Gras!“, oder einen Klassiker wie „Wirf den Abfall hier rein!“ prägte eine Generation an Sesamstrassenkindern.

Oscar der Griesgram, der sein Leben als Müllliebhaber in einer Tonne verbringt (Es ist nicht klar ersichtlich, ob er in der Tonne geboren wurde oder Sie mehr als ein dauerhaftes Kleidungsstück darstellt) war und ist eine Art lustiger Müllomat mit schrägem Charakter und ambivalentem Schicksal. Mit dem grünen Muffel kamen viele der jungen Zuschauer eher und öfter in Berührung als mit echtem Haushaltsmüll. Sesamstrassenkinder sind bekanntlich keine echten Straßenkinder. Bei Ihnen ist der tägliche Umgang mit Müll, das Leben im oder auf dem Müll ein Aspekt Ihres Überlebens. Müll kann Quelle von Krankheiten sein, oder ein nicht abbrechender Strom an Input für einen Lebensunterhalt.

Millionen von Menschen verdienen weltweit mit dem Sammeln und Sortieren von Wertstoffen ihren Lebensunterhalt. Dies trägt zur Schonung von Ressourcen und zum Klimaschutz bei. Die Müllsammler helfen kräftig mit, die Kosten in der Abfallwirtschaft zu senken.  Häufig arbeiten die Kinder, Frauen und Männer unter umwelt- und gesundheitsschädigenden Bedingungen.

 

In den Ländern des Südens, wie in Indien fällt weitaus weniger Müll an als in den Industriestaaten. Mülltrennung und Wiederverwertung stehen hier noch ganz am Anfang. Eine effektive und ökologische Recycling setzt die enge Kooperation zwischen öffentlicher Verwaltung und eingeständigen Müllarbeitern voraus.  Diese findet kaum statt.

Hier Indien erhält man täglich einen Einblick in das Leben dieser Menschen und kann sich kaum vostellen wie die Menschen, welche sich täglich unter extremen Bedingungen um die Beseitigung und Aufbereitung des Mülls kümmern.

Trotz der Bedeutung und Schwierigkeit ihrer Arbeit erzielen sie nur ein unzureichendes Einkommen und werden sozial ausgegrenzt. In Indien sind es meist Dalits (Unberührbare) die die Drecksarbeit machen und ohne Arbeitsschutz und Versicherung chemischen Stoffen oder zersplittertem Glas ausgesetzt sind.

Die Metropolen Indien’s versinken im Müll. Die Flüsse verwandeln sich in stinkende Kanäle und Raben und Ratten vermehren sich wie die zahlreichen Kakerlaken im Umfeld dieser Krankheitsherde. Die Menschen werfen den Müll ob organisch oder aus Plaste einfach auf den Boden. Wie früher in den Dörfern haben sie Ihr Verhalten beibehalten und erwarten, dass Tiere die organischen Überrest fressen. Plastik gab es in Ihren Dörfern kaum.

Ein erfahrener Indienreisender und ZEIT-Kolumnist verriet mir, dass noch vor 15 Jahren kaum Plastik in den Städten zu sehen war und die Unmengen an künstlichen Bechern, die die Gehwege überfluten aus gepressten Palmenblättern oder Lehm gemacht waren. Der schnelle Wandel vermisst einen Wandel der Verhaltensweisen. Ich esse kaum Fleisch, auch weil man hier überall Hühner sieht die quasi auf Müllbergen leben und zwischen Plastik und Fleischresten alles fressen, was man sich vorstellen kann.

Man kann den Müll nicht so entsorgen wie bei uns. Was passiert hier mit meinem Müll? Den Müll, den ich in pflichtbewusst in meinen Eimer werfe, wird etwa 100 Meter von meinem Wohnheim auf dem Campus der Universität verbrannt. Ich rieche es auch manchmal in meinem Zimmer. Aber auch der Europäische Müll kann unter Umständen im Ausland landen und dort zu besonderen Zwecken verbrannt werden. Besonders Massen an Elektroschrott mit toxischem Gehalt werden in Afrika und Asien oft von Kinderhand aufbereitet und finden schließlich auch den Weg über die Fabriken in den Westen in deutsche Haushalte zurück. Dein Iphone ist giftig. Dein alter Videorekorder wird in Nigeria nicht auseinandergeschraubt sondern eher verbrannt und dann wertvolle Metalle ohne Maske aufgelesen und an Zwischenhändler verkauft. Allein in vielen tausend Handys findet sich ein beachtlicher Bestandteil an Gold und anderen Metallen

Wir müssen aufpassen, was mit unserem Müll geschieht. Wir sind was wir konsumieren und wir sind dementsprechend auch was wir hinterlassen. Wir sind auch Müll. Wir müssen weniger müllen und Müll als Rohstoff behandeln. Er ist wertvoller als wir denken..

Wie wäre es, wenn wir alle mal wieder an das Sesamstraßen-Album“Unsere Erde”denken und ein bisschen singen? Wenn dann die Welt nur ein bisschen besser würde, schön wäre das!

Zu schön, um wahr zu sein…

 

Old-Goa's Kirchen

Old-Goa's Kirchen

Nachdem der Kongress beendet war, begann für mich erst das eigentliche Entdecken. Richtung Süden ging es weiter zu den großen Zielen Hampi und Goa, doch dazu später mehr. Dieser Weg sollte eigentlich von mir ganz klassisch mit einer 2-tägigen Zugfahrt zurückgelegt werden. Doch zum einen rieten mir meine indischen Kongressfreunde von diesem Vorhaben ab, zum anderen machte mir die Zugwarteliste einen Strich durch die Richtung. So begab ich mich ins Flugzeug und trat meinen ökologischen Fußabdruck noch ein Stück tiefer in Mutter Erde. Denn insgesamt legte ich in 2 Wochen mit 9 Flügen knapp 30.000 km zurück, hinzukommen noch 2 Busfahrten à 500 km und einige Taxi- und Rickschafahrten. Doch wir schweifen ab, zurück ins indische Leben: Meine beiden letzten Tage im Moloch Kolkata verbrachte ich bei Dipti, einer Freundin von Karl, und ihrer Familie, die mir eine unglaubliche Hilfe waren, um die weitere Reise vorzubereiten Denn am 16.2 musste ich in der alten süd-indischen Hauptstadt Hampi sein, wo ich auch Karl treffen sollte. Punkt 6 am Morgen wurde also ein Bus voller Traveller auf der einzigen Strasse des Dorfes ausgeschüttet. Auch wenn diese eine Strasse heutzutage das Zemtrum des Dorfes Hampi darstellt, so erstrecken sich die alten Paläste und Tempel des Vijayanagar-Reiches auf 26 km² in einer archaisch, mondähnlichen Landschaft. Auch wenn viele Gebäude schon verfallen bzw. von Plünderern ausgeraubt wurden, erhält man einen ziemlich guten Eindruck darüber wie es hier einmal im größten Handelszentrum Indiens ausgesehen haben könnte, als hier noch bis zum 16. Jh. gehandelt und gearbeitet wurde. Unsere Unterkunft hätte an dieser Stellt nicht besser sein können. Auch wenn wir ein jedes mal 15 Rupien an die Fährmafia Hampi’s zahlen musste um zu unserer Unterkunft zu kommen, konnten wir dann unsere Hütte unter Palmen inmitten eines Reisfeldes genießen.

Und von dieser histroischen Handelsstadt ging es sodann in eine der größten Partnerstädte Hampis: Old-Goa, eine Stadt, die zu ihrer Blütezeit fast ½ Millionen Einwohner hatte und damit größer als London oder Paris war. Heute ist davon leider nicht mehr viel zu sehen. Denn vom ehemaligen Handelspunkt am Indischen Ozean unter portugiesischer Führung, ist nur noch ein alter Triumphbogen mit einem Bildnis Vasco da Gamas geblieben. Beeindruckend sind jedoch die 5 Kirchen in der Stadt, die nach europäischen Vorbildern, von dem portugiesischen Besatzern bzw. den dadurch ansässigen katholischen Bruderschaften gebaut wurden. Allgemein lässt sich jedoch zu Goa sagen, dass es zwar sehr schön ist, jedoch sehr wenig mit dem restlichen Indien zu tun hat.

Hampi

Hampi

Karl in Hampi

Karl in Hampi

 

 

26. Februar 2012 Florian / Allgemein, WildBlog

Ob 15 Tage ausreichen um Indien als Land zu verstehen oder zu begreifen, ist fraglich, doch ich habe zumindest einen kleinen Eindruck in das Leben bekommen, welches zum einen so laut und hektisch, und auf der anderen Seite, langsam und gemütlich ist. Doch widmen wollen wir uns an dieser Stelle vorallem einer anderen Völkerverständigung. Dem Jugendkongress der SKD in Kolkata. Dieser stand unter dem Thema der Veränderung von Kultuinstitutionen im Laufe der Zeit, vorallem in Großstädten wie London, Accra und Kolkata. Dafür trafen für 4 Tage ca. 20 Jugendliche aus eben diesen Städten im Goethe Institut in Kolkata zusammen, um neue spannende Konzepte für Kulturinstitutionen zu entwickeln, welche vorallem Jugendliche anspricht und interessiert. Diese wurden am Ende des Kongresses mit führenden Kulturexperten aus der ganzen Welt, wie z.B. Dr. Martin Roth vom V&A Museum, ausgewertet. Einige Ideen waren ein ökonomisch-nachhaltiges Musik + Kunstfestival an den Stränden Accras oder Museumsworkshops für Jugendliche in den heiligen Hallen des V&A. Dabei waren vorallem die vielen unterschiedlichen Ansichten und Charaktere aus 4 Nationen maßgeblich für den Erfolg.

Um während dieser Zeit auch einen gewissen Eindruck von der geschichtsträchtigen Stadt Kolkata zu bekommen, standen bsw. das „Indian Museum“ oder ein Stadtrundgang auf dem Plan. Für diesen Stadtrundgang wurden 3 Gruppen auf die Reise geschickt, jeweils einen ganz bestimmten Stadtteil unter die Lupe zu nehmen. Zum einen gibt es einen Teil großer, alter Kolonialbauten aus der Zeit als Kolkata noch Calcutta hieß und Hauptstadt Britisch-Indiens war, zum anderen gibt es einen Teil der traditionellen, bengalischen Einwohner, die in verwinkelten Gassen und kleinen Häusern und Tempeln wohnt und arbeitet. Die 3. Gruppe verschlug es in den Zwischenbereich, die sog. „Greyzone“, wo über die Jahre beide Historien mit einander verflochten sind. All diese Eindrücke flossen so natürlich auch in die Projektarbeit des Kongresses ein. Wie eine Backpackergeschichte weitergeht und Indien tickt, lest ihr in Teil 2.

 

Kolkata

Kolkata

22. Februar 2012 Josef / Featured, featured, WildBlog

Liebe Wildblog-Besucher,

mittlerweile bin ich auf der Südinsel Neuseelands angekommen und da ich in letzter Zeit oft durch die wunderbaren Landschaften wanderte, zeige ich hier einige Bilder dieser Abenteuer…
In den nächsten Wochen werden dann auch wieder Berichte zu spannenden Naturschutzprojekten zu lesen sein – es erwartet euch zum Beispiel: Eines der innovatisten Elektrofahrräder der Welt, der Schutz eines unberüherten Wildflusses im Norden der Südinsel und noch vieles mehr!
Ich bin selbst schon ganz gespannt, was mich da alles erwarten wird! :)

Viele Grüße aus dem hochsommerlichen Neuseeland
Josef

Und hier natürlich noch die Bilder: