Nicht schon wieder!

Wildblog Team, 24. Juli 2014

Johannes

 

Stimmen – tiefschwarze Nacht – ich werde wach. Gleichmäßig und stark trommelt der Regen auf die Zeltwand. Die Stimmen hören sich gestresst an –„Flut“. Nicht schon wieder! Wir müssen also noch einmal alle unsere Sachen in den Wald bringen. Sofort bin ich hellwach.

Zum Glück hatte Kai am Abend zuvor schon gesagt, dass das Wasser vielleicht wieder zu stark steigen würde und wir unsere Rucksäcke schon zusammenpacken sollten. Also packe ich meinen Schlafsack wasserdicht ein und falte meine Isomatte zusammen. Wir sind alle schnell aus den Zelten raus. Wie bei der letzten Flut teilen wir uns wieder auf, ein Teil der Gruppe bringt das Küchenequipment in den höher gelegenen Wald, wo wir unser neues Lager aufschlagen, der andere Teil baut die Zelte ab und bringt sie zusammen mit den Rucksäcken, Isomatten usw. ebenfalls in den Wald.

Der Weg „ins Trockene“ (nicht wirklich trocken – es regnet stark) ist diesmal deutlich weiter als auf der letzten Sandbank und wir müssen erst durch einen Flussarm, der gestern noch ein kleines, fast trockenes Rinnsal war, jetzt aber deutlich breiter und an einigen Stellen auch recht tief ist. Wegen der Dunkelheit – es ist kurz nach 3 Uhr – können wir auch nicht viel sehen und orientieren uns viel an den Kopflampen der anderen. Nach mehreren Transportgängen zwischen Sandbank und Wald, immer mindestens zu dritt durch das Wasser, haben wir es dann endlich geschafft. Es ist schwieriger und trotzdem sind wir schneller als bei der letzten Flut. Übung macht den Meister!

Nachdem alles gerettet ist, decken wir unsere Sachen mit Planen ab und bauen einige Zelte im Wald wieder auf, so gut das zwischen den Bäumen, dem dichten Unter­wuchs und bei dem heftigen Regen eben geht. Wir ziehen uns trockene Sachen an und kriechen noch einmal zurück in unsere gemütlichen, warmen Schlafsäcke, gerade als es ganz sacht beginnt, wieder hell zu werden.

Wieder einmal hat uns die wilde Natur ihre raue Seite gezeigt, aber unser einge­spieltes Team hat auch das perfekt gemeistert. Erst gegen 12 Uhr am Mittag wachen wir alle auf und kriechen aus den Zelten. Wir probieren, Feuer zu machen. Das gestaltet sich schwierig, aber durch Samis in Vaseline getränkte Watte lodert bald ein wärmendes Feuer. Wir können uns alle bei einem leckeren Frühstück mit Bagels und Bacon wieder stärken.

Der Regen hat inzwischen aufgehört. So langsam kommt sogar die Sonne wieder und das Wasser ist schon sehr stark gesunken. Also heißt es: wieder zurück auf die Sandbank! Wir sind froh, wieder zurück zu können, denn dort ist es viel sonniger und trockener – und es gibt viel weniger Mücken! Außerdem ist zwischen den immer noch tropfenden Bäumen im Wald kaum Platz für die Zelte auf dem unebenen und dicht bewachsenen Boden.

Zunächst müssen erst einmal alle Sachen getrocknet werden: wir hängen die nassen Zelte und Planen, die durchweichten Kleider und Schuhe in die Büsche und kleinen Bäume auf der Sandbank und spannen Wäscheleinen. Es ist sehr mühsam, alle Zelte und Tarps wieder aufzustellen, die wir am Tag zuvor gerade erst schon einmal auf­gestellt hatten, aber nach ein paar Stunden ist es geschafft. Zum Glück kommt die Sonne heraus, uns zu helfen. Wir machen eine Bestandsaufnahme – alles da!

Zur Sicherheit lassen wir unsere Essensvorräte und Rucksäcke im Wald und bauen auch dort ein Tarp und zwei kleine Zelte auf. Falls uns wieder eine Flut heimsuchen sollte, wären wir dann noch schneller mit dem „Umzug“.

Leider bleibt uns durch die viele Umbauarbeit an diesem Tag nicht viel Zeit für unsere Projekte.

Den Tag lassen wir gemütlich am Feuer ausklingen – und schon wieder setzt leichter Regen ein, aber das stört uns nicht: wir sitzen im Trockenen am warmen Feuer, satt und zufrieden mit einer warmen Mahlzeit im Bauch und wissen: Im Notfall können wir schnell in den höher gelegenen Wald. Und in den inzwischen getrockneten Zelten warten die kuschelig warmen, frisch gelüfteten Schlafsäcke auf uns!

 

#1 Johannes – Titanic mit Happyend 2.0 – um 3 Uhr morgens von einer Flut heimgesuchr – diesmal perfekt organisierter Umzug in den Wald, bei stark erhöhtem Schwierigkeitsgrad – Wolken zihen auf und geben Blick auf Gletscher frei – gegen Mittag Rückumzug auf die bereits getrocknete sandbank – vollständiger Bestand.


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