Ein Totempfahl für Köln – Der schwarze Vorhang fällt

Theresa Naacke, 8. Oktober 2013

„Wo ist der Totempfahl?“ Das war eine häufig gestellte Frage in den letzten Tagen. Sechs Wochen haben Uncle Harold Joe, ein kanadischer Schnitzmeister von den Cowichan-Indianern und sein Assistent George Rice den ersten Totempfahl für Köln geschnitzt. Viele Kölner sind regelmäßig vorbeigekommen, um die Fortschritte zu begutachten und haben oftmals sogar selbst Hand angelegt. So wandelte sich ein mehr oder minder gewöhnlicher Riesenlebensbaum aus dem Wald bei Dormhagen in einen einzigartigen Totempfahl.

Dieser war natürlich nicht verschwunden, sondern vor seiner feierlichen Einweihung am Sonnabend, dem 5. Oktober lediglich mit einem schwarzen Tuch verhüllt. Um 15:00 Uhr war es dann endlich soweit. Der Totempfahl wurde mit einer Zeremonie der beiden Schnitzer eingeweiht. Gemeinsam mit Hwiemtun sangen sie die jeweils ersten Strophen zweier bedeutender Zeremonielieder. Kaum waren die traditionellen Gesänge verklungen, wurde der Totempfahl unter dem Raunen der Schaulustigen und dem Klicken der Kameras enthüllt.

Etwa 300 Zuschauer folgten dem Geschehen. Einige kamen zufällig vorbei. Doch viele waren extra für die Einweihung gekommen, weil sie selbst beim Schnitzen des Totempfahls mit Hand anlegen durften oder weil sie die Aktion in den vergangenen Wochen verfolgt hatten und nun das Ergebnis bewundern wollten. Das Interesse war am letzten Tag nach einmal gigantisch. Immer wieder kamen die Leute mit Fragen auf uns zu und suchten das Gespräch. Es entstanden rege Diskussionen, an deren Ende nicht selten eine Waldpatenschaft stand. Und noch lange nach Ende des offiziellen Teiles posierten die Kölner für ein Erinnerungsfoto vor „ihrem“ Totempfahl.

Allen, die die Zeremonie heute verpasst haben, bleibt der Trost, dass der größte Totempfahl Deutschlands noch sechs Monate vor dem Globetrotter-Store zu bewundern sein wird. Am 15. Mai 2014 wird er dann im Rahmen des Kölner Wildnislaufes als Dauerleihgabe in das Rautenstrauch-Joest-Museum überführt.

Flechtworkshops mit der Rinde des Totempfahls wird es bereits in wenigen Wochen wieder geben, wenn am 9./10.11.2013 das Outdoor- und Reisefestival „Globe Welt“ in Köln stattfindet. Dort werden wir nicht nur mit Zederrinde basteln, sondern vor allem unsere Idee vom Umweltschutz präsentieren. Auf der „Globe Welt“ wird es dann auch die Möglichkeit geben, gegen eine Spende, Plakate von der Totempfahlaktion zu erwerben.

Die Aktion „Ein Totempfahl für Köln“ erfüllt uns mit Stolz. Gemeinsam haben wir mitten in der Kölner Fußgängerzone ein Zeichen für den Waldschutz gesetzt. Damit nicht bald jemand fragt: „Wo ist denn der Regenwald?“

Jenin Ziemens

Fotos (c): Wilderness International,  Sami Fayed


Comments

Kai, 8. Oktober 22:17 Uhr

Genialer Artikel, vielen Dank, Jenin fürs Schreiben und Theresa fürs Posten!

Lily, 14. November 17:36 Uhr

Hallo, wo finde ich denn den wunderbaren Text, der neben dem Totenpfal ist, im Netz?
L.a.s.

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