Luka’s Ausstellungstext zur Ethnobotanik

Luka, 7. März 2012

 

Halllo liebe Wildblog Leser !

Wir eröffnen bald unsere große Ausstellung über die Stipendiatenreise 2011 mit den entstandenen Ergebnissen.

Als Pflanzenteam erstellen wir ein Memory über Pflanzen und deren spezielle Nutzungen und wir präsentieren gepresste Pflanzen.

Das ist mein Text dazu:

 

„Denken Sie an all die alten Pflanzen und an all die damit verbundenen Kenntnisse welche in den letzten Jahren verloren gingen. Denke ich daran, schweifen meine Gedanken zu SH’NAAN, dem Medizinmann, der alles weiß.“

Tusilem, Cowichan Indianer

Ethnobotanik

Ethnobotanik ist die Verwendung der Pflanzen zum Nutzen der Menschen. Wir, einige Teilnehmer der Stipendiatenreise 2011 nach Kanada, haben uns auf die Verwendung der Pflanzen in der Kultur der Cowichan Indianer, einem Stamm auf Vancouver Island, spezialisiert.

Eindrücke aus dem Primärwald

Der Primärwald in dem Gebiet von Vancouver Island ist umgeben von dem Busch. Das ist ein kleinerer Wald, vorwiegend bestehend aus Büschen und kleineren Bäumen. Der Boden im Primärwald ist bedeckt von Moos und der Himmel von den Baumkronen. Am schnellsten prägen sich die Farne ein, die weit verbreitet sind, aber auch die Bäume, an deren Ästen und Stämmen Flechten und Farne hängen sind sehr markant. Auf den ersten Blick wirkt alles einheitlich grün und saftig. Beim genaueren Betrachten bemerkt man einige braune Blätter und es fällt das warme Braun von den umgefallenen Bäumen auf dem Boden auf.

Die Pflanzenvielfalt in den  letzen temperierten Regenwäldern Westkanadas und die Kenntnisse von deren Nutzung sind eine Ausnahme. Heutzutage holt man sich Arzneimittel in der Apotheke und dem Supermarkt. Kaum einer stellt noch Tee oder Medikamente selber her. Wir  vergessen, dass die meisten Inhaltsstoffe unserer „modernen“ Medikamente von Heilpflanzen ausgehend entwickelt wurden. Dabei geht das Wissen im Bezug auf die Pflanzen verloren. Deswegen ist es wichtig, dass  das ursprüngliche, traditionelle Wissen bewahrt  wird.

Bei den Indianern aus Westkanada, bei denen wir 4 Wochen lang zu Besuch waren ist das Wissen über die Verwendung von Pflanzen zum Nutzen der Menschen und einige alte Geschichten noch teilweise vorhanden. Doch leider geht auch bei ihnen das Wissen über das Potential der Pflanzen langsam verloren oder man findet die Pflanzen, die noch vor einiger Zeit als sehr häufig galten gar nicht mehr. Durch die Zerstörung der letzten temperierten Regenwälder in Westkanada verschwinden auch die nutzbaren Pflanzen, da ein Kahlschlag nicht nur Massen an Bäumen, sondern auch einen einzigartigen Lebensraum auf lange Zeit zerstört, wenn nicht vollständig vernichtet. So verschwindet mit den Pflanzen langsam aber stetig auch das Wissen über ihre Nutzung. So wie in der Kultur der Cowichan Indianer haben auch unsere Vorfahren vom Zusammenwirken mit der Natur gelebt, auch wir brauchen die Natur, für Sauerstoff, Nahrungsmittel oder  Erholung. Deshalb engagieren wir uns für ihre Erhaltung.

Mit den Indianern sind wir in die letzten Temperierten Regenwälder Kanadas gereist. Dort konnten sie  uns einiges erklären und zeigen. Die Pflanzen werden sowohl als Nutzpflanze, als Nahrungsmittel, als auch für Rituale oder zur Herstellung von Medizin verwendet. Es gibt eine ganze Reihe von Pflanzen, welche essbar sind oder die für Tee verwendet werden können. Allerdings haben wir auch Pflanzen gesehen, die (wie zum Beispiel die Flechte „Lichen“) getrocknet Mücken oder Fliegen abhalten können. Außerdem sollen einige Pflanzen, in der Tradition der Indianer, über einer Tür hängend böse Geister fern halten. All diese Nutzungen zeigen die Verbundenheit der Cowichan mit der Natur und den Pflanzen. Fast für jede Pflanze konnten uns die Ältesten aus dem Stamm eine Geschichte beziehungsweise eine Nutzung erzählen. Außerdem spielt es in der Tradition der dort lebenden Indianer eine große Rolle, dass man, wenn man sich etwas von der Natur nimmt, auch etwas zurück gibt. So haben wir, wenn wir eine Pflanze abgeschnitten haben, einen Dank an die Natur in Form von Tabak  hinterlassen.

Die gesammelten Pflanzen wurden gepresst und exakt bestimmt. Wir ließen uns die traditionelle(n) Nutzungen von den Cowichan erklären. Außerdem haben wir die Pflanzen, welche für medizinische Zwecke genutzt wurden, getrocknet und Extrakte mithilfe eines Destillationsapparates hergestellt und sie in hochprozentigen Alkohol eingelegt. Zurück in Deutschland wurden sie an das Krebsforschungszentrum in Heidelberg geschickt und auf ihre Wirksamkeit getestet.

Die hier ausgestellten Exemplare sind einige Beispiele der typischen Vegetation der  temperierten Regenwälder  in Westkanada.

 

Wer diesen Ausstellungstext im Original erleben möchte, kann dies ab April/Mai 2012 in der Ausstellung tun. Weitere Informationen folgen.

Comments

Florian, 8. März 18:29 Uhr

Sehr, sehr guter Text für die Ausstellung!

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