Müll – Von Sesamstraßenkindern zu Straßenkindern

Karl, 27. Februar 2012

 

Ich erinnere mich gern an das Sesamstraßen-Album“Unsere Erde” (Our Earth). Es begeistert Kinder melodisch für einen rücksichtsvollen Umgang mit Ihrer Umwelt und regt zum mitsingen an. Obwohl ich seit jeher kein guter Sänger war, konnte ich jedoch dem Allzeitschlager „Denke im Park an die Tauben“ wie viele meiner Altersgenossen kaum widerstehen und stimme noch heute bei Gelegenheit mit ein.

Besonders Lieder mit Imperativ-Titeln vergisst kaum ein Kind. Der Hit “Wirf Keinen Müll in das Gras!“, oder einen Klassiker wie „Wirf den Abfall hier rein!“ prägte eine Generation an Sesamstrassenkindern.

Oscar der Griesgram, der sein Leben als Müllliebhaber in einer Tonne verbringt (Es ist nicht klar ersichtlich, ob er in der Tonne geboren wurde oder Sie mehr als ein dauerhaftes Kleidungsstück darstellt) war und ist eine Art lustiger Müllomat mit schrägem Charakter und ambivalentem Schicksal. Mit dem grünen Muffel kamen viele der jungen Zuschauer eher und öfter in Berührung als mit echtem Haushaltsmüll. Sesamstrassenkinder sind bekanntlich keine echten Straßenkinder. Bei Ihnen ist der tägliche Umgang mit Müll, das Leben im oder auf dem Müll ein Aspekt Ihres Überlebens. Müll kann Quelle von Krankheiten sein, oder ein nicht abbrechender Strom an Input für einen Lebensunterhalt.

Millionen von Menschen verdienen weltweit mit dem Sammeln und Sortieren von Wertstoffen ihren Lebensunterhalt. Dies trägt zur Schonung von Ressourcen und zum Klimaschutz bei. Die Müllsammler helfen kräftig mit, die Kosten in der Abfallwirtschaft zu senken.  Häufig arbeiten die Kinder, Frauen und Männer unter umwelt- und gesundheitsschädigenden Bedingungen.

 

In den Ländern des Südens, wie in Indien fällt weitaus weniger Müll an als in den Industriestaaten. Mülltrennung und Wiederverwertung stehen hier noch ganz am Anfang. Eine effektive und ökologische Recycling setzt die enge Kooperation zwischen öffentlicher Verwaltung und eingeständigen Müllarbeitern voraus.  Diese findet kaum statt.

Hier Indien erhält man täglich einen Einblick in das Leben dieser Menschen und kann sich kaum vostellen wie die Menschen, welche sich täglich unter extremen Bedingungen um die Beseitigung und Aufbereitung des Mülls kümmern.

Trotz der Bedeutung und Schwierigkeit ihrer Arbeit erzielen sie nur ein unzureichendes Einkommen und werden sozial ausgegrenzt. In Indien sind es meist Dalits (Unberührbare) die die Drecksarbeit machen und ohne Arbeitsschutz und Versicherung chemischen Stoffen oder zersplittertem Glas ausgesetzt sind.

Die Metropolen Indien’s versinken im Müll. Die Flüsse verwandeln sich in stinkende Kanäle und Raben und Ratten vermehren sich wie die zahlreichen Kakerlaken im Umfeld dieser Krankheitsherde. Die Menschen werfen den Müll ob organisch oder aus Plaste einfach auf den Boden. Wie früher in den Dörfern haben sie Ihr Verhalten beibehalten und erwarten, dass Tiere die organischen Überrest fressen. Plastik gab es in Ihren Dörfern kaum.

Ein erfahrener Indienreisender und ZEIT-Kolumnist verriet mir, dass noch vor 15 Jahren kaum Plastik in den Städten zu sehen war und die Unmengen an künstlichen Bechern, die die Gehwege überfluten aus gepressten Palmenblättern oder Lehm gemacht waren. Der schnelle Wandel vermisst einen Wandel der Verhaltensweisen. Ich esse kaum Fleisch, auch weil man hier überall Hühner sieht die quasi auf Müllbergen leben und zwischen Plastik und Fleischresten alles fressen, was man sich vorstellen kann.

Man kann den Müll nicht so entsorgen wie bei uns. Was passiert hier mit meinem Müll? Den Müll, den ich in pflichtbewusst in meinen Eimer werfe, wird etwa 100 Meter von meinem Wohnheim auf dem Campus der Universität verbrannt. Ich rieche es auch manchmal in meinem Zimmer. Aber auch der Europäische Müll kann unter Umständen im Ausland landen und dort zu besonderen Zwecken verbrannt werden. Besonders Massen an Elektroschrott mit toxischem Gehalt werden in Afrika und Asien oft von Kinderhand aufbereitet und finden schließlich auch den Weg über die Fabriken in den Westen in deutsche Haushalte zurück. Dein Iphone ist giftig. Dein alter Videorekorder wird in Nigeria nicht auseinandergeschraubt sondern eher verbrannt und dann wertvolle Metalle ohne Maske aufgelesen und an Zwischenhändler verkauft. Allein in vielen tausend Handys findet sich ein beachtlicher Bestandteil an Gold und anderen Metallen

Wir müssen aufpassen, was mit unserem Müll geschieht. Wir sind was wir konsumieren und wir sind dementsprechend auch was wir hinterlassen. Wir sind auch Müll. Wir müssen weniger müllen und Müll als Rohstoff behandeln. Er ist wertvoller als wir denken..

Wie wäre es, wenn wir alle mal wieder an das Sesamstraßen-Album“Unsere Erde”denken und ein bisschen singen? Wenn dann die Welt nur ein bisschen besser würde, schön wäre das!

Zu schön, um wahr zu sein…

 


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