Ein Schrecken in der Nacht

WIAdmin, 4. November 2016

Nacht vom Donnerstag, 15.09.2016 zum Freitag, 16.09.2016

Es ist die letzte Nacht, und ich wache mehrmals auf. Zum einen weil es draußen immer wieder laut platscht und danach schmatzt: Grizzlybären fangen direkt neben unserem Camp Lachse und fressen sie, ein irres Gefühl!

Zum anderen, weil ich ganz dringend mal für kleine Jungs muss, doch irgendwie will ich nicht aus meinem warmen Schlafsack raus. Als Domi ins Zelt kommt überwinde ich mich jedoch und krieche raus. Ich frage Domi, ob draußen alles ruhig ist, er bejaht und bietet mir noch das Bärenspray an, jedoch halte ich dies nicht für notwendig bei einem 1-minütigen Gang in den Busch. Ist ja nur ganz kurz.

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Ich gehe also raus, verrichte mein Geschäft, beobachte die wunderbare Natur bei Vollmond und bin grade fertig, als ich direkt vor mir etwas wahrnehme. Am Anfang ist es noch etwas Dunkles, aber je mehr sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen, desto besser erkenne ich, worum es sich handelt. Das dunkle Etwas läuft auf der Sandbank umher zum Wasser, steht dort für ein paar Minuten und kommt dann zurück. Ich kann mich nicht bewegen, mein Atem bleibt mir fast stehen. Hunderte Male sind wir solche Situationen mit dem Expeditionsteam durchgegangen, aber in der Realität ist das alles doch nicht so cool wie in der Übung. Ich versuche dennoch meine Atmung zu kontrollieren und bleibe aufrecht stehen, denn das Gegenüber, von dem ich immer noch nicht genau weiß, was es eigentlich ist, soll mich wahrnehmen und wissen, dass ich da bin. Nichts ist schlimmer, als wenn es sich erschreckt, wenn es mich urplötzlich erst sieht. Als es keine 10 m mehr vor mir steht erkenne ich nun auch worum es sich handelt: Es ist kein Riesenhirsch und kein Wolf, es ist ein dicker, fetter Grizzly.

Er schaut mich an, ich schaue ihn an. Er macht einen Buckel, ich bleibe ruhig stehen. Innerlich geht bei mir grad total die Sause. Dies ist einer der Momente, wo ich mich frage, wieso ich das hier eigentlich mache. Die Antwort: Weil es genau diese Momente sind, die mein Leben bereichern und mich in der Schönheit und Einzigartigkeit dieser Natur, die wir hier schützen, bestärken.

Nach ca. drei Minuten gegenseitigem Begutachten geht der Grizzly wieder begleitet von lautem Knacken in den Wald hinein. Ich wecke David und sage ihm, dass hier ein Grizzly ist. Er fragt nur, ob er auf unser Zelt zukommt, aber als ich die Frage verneine, schnarcht er sofort wieder. So eine Gelassenheit bräuchte man! Gute Nacht.


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