Das war knapp!

WIAdmin, 3. November 2016

Donnerstag, 15.09.2016

Unser letzter voller Tag im Toba Valley bricht an. Nach dem kurzen Frühstück wollen wir sofort zur oberen Sandbank aufbrechen, doch wir werden abgelenkt. Diesmal schleicht sich von der anderen Seite, in der Nähe unseres Expeditionsbootes, ein ca. 4 Jahre alter Grizzly an unser Camp heran. Wieder ist es Thomas, der ihn zuerst entdeckt. Er hat anscheinend ein besonderes Auge dafür. Doch dieser Bär ist irgendwie misstrauischer als die Grizzlymutter mit ihren Kindern gestern. Er schaut nur kurz vorbei und ist nach fünf Minuten schon wieder im Dickicht des Regenwaldes verschwunden.

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Wir machen uns also auf den Weg zur oberen Sandbank. Eigentlich kennen wir den Weg gut, aber wie es doch immer so ist, verlaufen wir uns total. Doch wir laufen intuitiv in die richtige Richtung und haben viel Glück. Wir kommen 50 m vor der oberen Sandbank am Little Toba raus. Denn wären wir den ursprünglichen Weg gelaufen, wären wir 50 m weiter oben rausgekommen und einer gigantischen Bärenmutter mit drei Kindern in die Arme gelaufen. Die Bärenmutter, die wir aus 50m Entfernung beobachten können, ist gigantisch groß, fast schon ein Monster von einem Grizzlybären, mit gleich drei Kindern. Ohne uns zu bemerken läuft sie in den Wald hinein. Und es wird spannend: Wir müssen genau in die Richtung, in die der Grizzly gerade in den Wald hinein ist. Nicht alle aus dem Expeditionsteam finden die Entscheidung gut, doch gemeinsam gehen wir los. Durch Rufe wie „Hello Bear, how are you?“ machen wir Krach und zeigen den Bären an, dass wir kommen und wo wir sind. Wir gelangen auf die obere Sandbank und begegnen außer frischen Bärenspuren keinem weiteren Grizzly – zur Erleichterung aller.

Ich traue meinen Augen nicht, als ich in den Little Toba schaue: Genau vor der Stelle, wo wir mit den Umweltbotschaftern auf unseren Stipendiatenexpeditionen immer zelten, stehen sie im Wasser: Tausende Lachse, die grade dabei sind sich Laichkuhlen zu buddeln und zu laichen. Der ganze Fluss ist mit dunklen Flecken voll, überall schauen Rückenflossen raus. Wir setzen uns an den Fluss, machen Fotos und Videos und genießen dieses einzigartige Naturspektakel.

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Seit ich klein bin und beim Wildnislauf mitmache, also seit der Gründung der Stiftung, ist es mein Traum gewesen, dies alles einmal sehen zu dürfen. Und nun kann ich es. Für einen Moment hält alles an, nix kann mich berühren, ich genieße den Moment und niemand kann mir dies wegnehmen.

Wir gehen zurück zu unserer Sandbank, räumen das Camp auf, packen unsere Sachen und genießen den letzten Abend am Feuer, denn morgen geht es zurück in die Zivilisation.


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