Ich bin hier auch nur ein Tier, kein Mensch

WIAdmin, 1. November 2016

Mittwoch, 14.09.2016

 

Früh morgens stehen wir auf, denn heute wollen wir endgültig in unsere Landstücke und in den DIAMIR-Wald. Noch bevor die Sonne über die Bergspitzen kommt, haben wir fast alles zusammengepackt. Während des Frühstückes kommt nun die Sonne hervor und trocknet unsere Zelte, die vom Tau ganz nass geworden sind. Denn es sind zwar tagsüber zwischen 18 und 22 Grad, jedoch wird es nachts nur 4-6°C warm. Auf einmal regt sich etwas im Wald hinter unseren Zelten. Es knackt und Blätter bewegen sich. Alle sind auf jede erdenkliche Situation gefasst und erwarten den Grizzly. Doch heraus kommen zwei Rehe, völlig unbeeindruckt von unserer Anwesenheit. Während wir still dastehen und Fotos machen, laufen diese zwei Meter vor uns lang und fressen am Waldrand Gräser und kleine Knospen. Wir sind mitten in das Leben der Natur eingegliedert: Die Tiere nehmen uns als Teil der Natur im Toba Valley an und zeigen keinerlei Angst vor uns. In diesem Moment bekomme ich eine Gänsehaut, da ich erst jetzt es realisiere: Ich bin JETZT Teil der Natur, so wie ich es wahrscheinlich nie wieder sein werden. Ich bin hier auch nur ein Tier, kein Mensch. Ich bin Teil der Tiere, die mich annehmen und mit mir dort in dieser Zeit leben.

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Wir machen uns also wieder auf, den Fluss hinauf, passieren das Land der Geisterblumen und kommen endlich im Land der Grizzlies an. Jedoch ist alles anders als noch vor sechs Wochen. Der Little Toba hat einen extrem niedrigen Wasserstand, viel mehr Tothölzer, sogenannte dead heads, liegen vor der Sandbank, und wir können nur schwer mit dem Boot anlanden.

Nach dem dritten Anlauf schaffen wir es endlich und begutachten die Umgebung. Überall sind Fußspuren von Bären, Wölfen und Pumas. Der Zusammenfluss des Big und Little Toba und die Sandbank scheinen ein regelrechter Hotspot für alle möglichen Tiere zu sein.

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Wir bauen unsere Zelte auf und das Warten beginnt. Doch nicht lange. Denn sogleich kommt auf der anderen Flussseite des Little Tobas eine Bärenmutter aus dem Gebüsch. Mit dabei: Zwei circa halbjährige Bärenkinder, die nicht von ihrer Seite weichen. Anspannung macht sich breit, denn so nah waren wir noch nie an den Bären dran. Eine Grizzlymutter passt extrem gut auf ihre Jungen auf und ist somit besonders aggressiv gegenüber allen, die sich ihr nähern oder bedrohlich vorkommen. Vorsichtig und leise legen wir uns auf den Boden und kriechen langsam näher ran. Ronny und Thomas holen die Kameras raus und machen erste bärenstarke Bilder, während Kai, Domi und ich völlig fasziniert die Bären beobachten. Doch als wir versuchen, näher als 50 m ranzukommen, bemerkt uns die Bärenmutter und verschwindet mit ihren Kindern im Gebüsch. Jedoch nicht sehr lange. Nach drei Stunden kommt sie wieder an der gleichen Stelle aus dem Wald und beginnt Lachse zu fangen. Dieses Mal ist es ein Erlebnis der besonderen Art, so dass dieses einen eigenen Wildblogeintrag verdient hat.

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Abends sitzen wir noch kurz am Feuer und rekapitulieren immer wieder die einzigartigen Momente mit den Bären an diesem Tag. Auf mich wirkt es nicht wirklich real, aber irgendwie ist es ja schon passiert. Komisch, ich bin zum dritten Mal hier und habe gedacht, einiges schon zu kennen. Aber vieles was ich heute erlebt habe, war mir für das Toba Tal noch fremd gewesen. Fremd im positiven Sinne, denn wer kann schon behaupten hautnahe Bärenerfahrungen mitten im kanadischen Regenwald gemacht zu haben?

Ronny Tag 6________ Ronny Tag 6___ Ronny Tag 6__ Ronny Tag 6

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