Bodenständig in Kanada

WIAdmin, 21. Oktober 2016

Unser Projekt: Bodenanalyse und Artenvielfaltbestimmung im temperierten Regenwald

Während unserer Expedition haben Ich (Julius) und Emilia das Ökosystem temperierter Regenwald etwas genauer untersucht, mit besonderen Blick auf Boden und Vegetation. Am Ende soll daraus ein kleiner Dokumentationsfilm entstehen, der unsere Arbeit, unsere Ergebnisse und unseren Spaß dabei festhält und für die Öffentlichkeit anschaulich aufbereitet.

Was haben wir getan?

In aller Kürze: Ich habe auf der Erde gehockt, mit einem Eisenstab in der Erde herumgestochert und allerlei Experimente durchgeführt. Davon folgt jetzt hier eine etwas detailliertere Beschreibung:

Um Boden zu untersuchen, muss man zunächst in ihn reinschauen können: Mithilfe eines Handbohrstocks (ein Art Rinne aus gehärtetem Stahl) habe ich eine ungefähr ein Meter tiefe Probe entnommen. Bei dieser Probe konnte man gut die einzelnen Schichten erkennen, aus denen sich der Boden zusammensetzt. Die habe ich einzeln auf ihre Eigenschaften hin untersucht, um am Ende ein Gesamtbild über die Beschaffenheit der Grundlage des Ökosystems zu erhalten.

Emilia hat auf demselben Plot eine Artenliste der Pflanzen erstellt, aufgeteilt in erste und zweite Baumschicht, Strauchschicht, Krautschicht und Moosschicht. Mit dem Bestimmungsbuch und einem vorbereiteten Formular hat sie alle Arten von Froschflechte bis Douglasie dokumentiert und zudem deren Häufigkeit auf der Probefläche angegeben. Weil sie anerkannte und verbreitete Schlüssel nutzte, können wir die verschiedenen Plots allgemein sehr gut vergleichen und präzise Aussagen treffen.

Wesentlich für das Pflanzenwachstum und die Bodeneigenschaften ist das Material, aus dem die Schicht (um das Niveau zu heben, sagt man auch Horizont) besteht. Der zweite Horizont des Boden im Primärwald bestand zum Beispiel aus Schluff.

Außerdem habe ich noch den pH-Wert und Nitratgehalt jeweils mit entsprechenden Teststreifen ermittelt.

Das Experiment mit dem höchsten Spaßfaktor war für mich der Kalknachweis. Ich meine wer hantiert schon im kanadischen Regenwald mit 31-33% Salzsäure herum? Kalk ist im Boden vorhandenes Calciumcarbonat, welches bei Zugabe von Salzsäure zu Calciumchlorid, Wasser und vor allem Kohlenstoffdioxid reagiert. Ist Kalk im Boden vorhanden, so tritt das Kohlenstoffdioxid bei Zugabe schäumend aus. Je heftiger die Reaktion abläuft, desto höher ist der Kalkgehalt. Leider konnte ich diesen wunderbaren Effekt nie mit eigenen Augen bewundern, da der Boden erwartungsgemäß kalkarm ist.

Was haben wir herausgefunden?

Zusammengefasst kann man folgendes festhalten: Der Boden im Primärwald hatte die beste Qualität, da er viele Schichten aufwies, und insgesamt eher lehmig war, was bedeutet, dass er Nährstoffe und Wasser gut speichert. Kalkgehalt, pH-Wert sowie Phosphat und Nitratgehalt lagen alle in dem für Wald üblichen Bereich. Erstaunlich war, dass die Durchwurzelung, besonders in den tieferen Schichten relativ gering war.

Die Pflanzen im Primärwald wiesen die größte Biodiversität auf und bedingten sich gegenseitig sehr stark. Denn die Arten, die typisch für den kanadischen Urwald sind, kommen nämlich nur im dort vorhandenen, milden Kleinklima vor und sind auch deshalb so selten.

Der Boden der Kahlschlagsfläche war ähnlich, allerdings wesentlich sandiger und in den unteren Schichten rötlich, was auf die Auswaschung von Eisen hinweist. Außerdem war der Boden mit einem pH-Wert von 4-5 etwas zu sauer. Hier erkennt man deutlich, dass der normalerweise stabilisierend wirkende Wald fehlt.

Auf der Artenliste waren nur sehr wenige Pflanzen zu finden; es gab keine Bäume, außer ein paar nachgepflanzten, sehr kleinen und jungen, und außerdem wenige Büsche und trockene Moose. Man muss kein Experte sein, um sagen zu können, dass dies einem Wald nicht ansatzweise nahekam.

Der Sekundärwald hatte den schlechtesten Boden: Ich habe keine ordentliche Probe nehmen können, da er viel zu trocken war und immer wieder aus meinem Bohrstock herausgerutscht ist. Im Wesentlichen gab es er nur eine Schicht, bestehend aus unzersetztem organischen Material. Die unverotteten Überreste des liegengelassenen Holzes nach dem Kahlschlag, konnten von dem monokulturell nachgepflanztem Wald nicht verarbeitet werden und es gab anscheinend nur sehr wenige der lebensnotwendigen Mikroorganismen. So gab es in dem relativ lichten Wald kein besonders großes Artenspektrum, jedoch manche ähnliche Arten wie im Primärwald. Doch die sehr spezifizierten Arten fanden hier (noch) kein zu Hause.

Was ist noch zu tun?

Wie oben bereits geschrieben, ist unser Ziel, am Ende einen kleinen Film zu haben, der unser Projekt widerspiegelt. Das Rohmaterial ist auf der Reise entstanden und wartet jetzt sehnlichst darauf, geschnitten zu werden. Die entstandenen Protokolle werden außerdem digitalisiert und bald schon auf der Website von Wilderness International veröffentlicht werden. Außerdem gestalten wir in der Wanderausstellung einen Teil, der die Funktionsweise eines gesunden Waldes nachvollziehbar erklären soll, um euch nahezubringen, was uns so wichtig geworden ist…

– Julius und Emilia

Wilderness International Kanadareise 2014


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