Von der Wildnis verzaubert und verändert

WIAdmin, 6. September 2016

Meistens ist vor der Reise auch nach der Reise – für gewöhnlich komme ich entspannt und mit einem Sack Erinnerungen aus dem Urlaub und nach ein, zwei Tagen geht alles „back to normal“, ich lebe wieder wie vorher. Nicht so nach der Expedition in den kanadischen Regenwald. Schließlich war diese auch kein Urlaub, aber eben trotzdem eine Reise, die nicht nur meine Augen, sondern auch ein Stück weit mein Herz geöffnet hat. Dabei ist meine schlimmste Befürchtung, von Moskitos zerfressen zu werden, wahr geworden. Dieser Aspekt der Reise ist aber zu verschmerzen, wenn ich daran denke, was ich dafür erleben durfte. Zum Beispiel habe ich bei meinem ersten Versuch einen Fisch gefangen, hatte ein Streifenhörnchen auf meiner Jacke sitzen und konnte Orkas, Buckelwale, Robben und Grizzlies, sowie unzählige Adler und andere Greifvögel beobachten. Ich hatte die Möglichkeit, uralte Bäume zu bestaunen und zu erfahren wie es ist, ohne Wanderkarte durch richtigen Urwald zu wandern. Nämlich nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe…Und trotzdem oder gerade deswegen haben mich diese kleinen und großen Geschenke der Natur für die Einzigartigkeit des Regenwaldes sensibilisiert und mir eine innerliche Ruhe gegeben, die ich bisher nur aus den Bergen kannte. Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass ich auch mit viel weniger materiellen Dingen auskommen kann, als ich je gedacht hätte. Zugegeben, ich habe es vorher auch weder versucht noch nötig gehabt, als Städter fahre ich mit Koffer in den Urlaub und habe mir daher noch nie Gedanken darüber gemacht, was ich eigentlich alles mitschleppe und am Ende doch nicht brauche. Zurück in Deutschland habe ich deshalb aus meinem Zimmer all die Sachen verbannt, die ich nicht brauche und mein Kleiderschrank ist so leer wie noch nie. Das Gefühl, wenig zu besitzen befreit ungemein. Und auch aus dem Rucksack zu leben, bedeutet nicht unbedingt immer zu stinken oder nichts zum Anziehen zu haben. Für mich bedeutet es Freiheit und vor allen Dingen mehr Zeit, die ich zum Erkunden meiner Umgebung habe. Ein ganz anderer Aspekt der Reise, der für mich nicht weniger beeindruckend war, ist die Aufgeschlossenheit der Menschen, die ich in Kanada getroffen habe. Tina und George, zwei First Nation, die beiden Guides aus der Strathcona Park Lodge, die Bootsführer die uns zum Toba gebracht haben und nicht zuletzt der Busfahrer von Vancouver Island, der mir seinen Stick mit Musik aus Kanada geschenkt hat, nachdem ich die Musik im Bus lobte. Das ist wohl der „Canadian way of life“. Musikhörend schreibe ich auch diesen Artikel, ich werde nachdenklich. Die Zeit in Kanada hat mich so speziell geprägt, dass ich diese Veränderung nur schwer in Worte fassen kann. Sie hat mich zum Nachdenken gebracht, über Kahlschlag, Natur, den Menschen und nicht zuletzt über mich selbst.

Clara Julia Lampe

young orcas


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