Ankommen in einer anderen Welt

WIAdmin, 6. September 2016

Hallo! Ich habe einige Tage gebraucht, um wieder in Deutschland anzukommen. Es gab immer wieder Momente, in denen mein gesamter Körper und mein Verstand geschrien haben: Ich will zurück!, aber nach einer Woche habe ich mich wieder ziemlich gut eingelebt. Am Anfang fand ich die Stadt scheußlich unruhig, die Autos, das Einkaufen, so viele Leute … das hat mich überfordert und das obwohl Radebeul als Kleinstadt durchgeht. Ich merke, dass ich dankbarer bin für alles, was ich bekomme, viel weniger Sachen in den nächsten Urlaub mitnehme als sonst und viel um mich herum mit der Wildnis vergleiche. Die Bäume sind hier ziemlich niedlich, untere Baumschicht, würde ich bei den meisten schätzen. Das Leitungswasser schmeckt mehlig, ranzig, im Vergleich zum Tobawasser (ja Leitungswasser hat einen Geschmack!), aber ebenso genieße ich die würzigen Kartoffelchips, die es hier gibt (keine widerlichen Brennnesseln). Jeden Tag fällt mir etwas Neues ein, was ich meiner Familie noch nicht erzählt habe und ich muss immer wieder plötzlich lachen, weil mir ein Witz einfällt, den wir am Lagerfeuer gerissen haben. Ich glaube die gesamte Reise hat mich ziemlich verändert und hin und wieder ertappe ich mich dabei, wie ich tagträumend vor mich hin starre. Für mich geht es morgen schon wieder in ein anderes Camp, um ehrlich zu sein hatte ich vor der Reise nicht erwartet, dass es so viel Zeit bräuchte, bis die Seele nachkommt, mal sehen wie es wird.

Wilderness International Kanadareise 2014

Was ich kaum für möglich gehalten hätte ist, dass sich meine Begeisterung am Umweltschutz noch weiter gesteigert hat! Ich stand mitten drin und diese Kahlschläge wahren – Entschuldigung – total hässlich!  Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man etwas so unglaublich schönes, faszinierendes, ehrwürdiges einfach niedermähen kann! Als ich die Fotos von Wilderness gesehen habe, dachte ich, dass es garantiert großflächigen Kahlschlag gibt, aber dass er überall zu sehen ist und an diesen Stellen wirklich nichts lebendiges übrig bleibt, hatte ich mir nicht vorstellen können. Auch die fantastischen Waldfotos waren bis zu dieser Reise etwas Fremdes gewesen. Man sieht sie überall, auf Kalendern, Postkarten … wunderschön, aber nicht greifbar. Und jetzt habe ich Erinnerungen, wie ich genau durch diese romantischen Fotomotive laufe, unser Zelt darin steht und wir in ihnen gelebt haben – das ist etwas ganz anderes! Ich habe diese riesigen Bäume berührt, am frischen Moos gerochen, Flusswasser direkt heraus getrunken, einen freilebenden Grizzly und Orcas gesehen – Das werde ich niemals vergessen! Danke aus tiefstem Herzen!

-Antonia


Comments

Tyya, 15. Oktober 02:37 Uhr

So true. Honesty and everything redcingzeo.

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