Erinnerungen an die Wildnis

WIAdmin, 6. September 2016

Hey ihr da draußen,

einige Zeit ist es jetzt her, dass wir unsere Sachen gepackt und den Regenwald verlassen haben und ich vermisse das alles so sehr, wie ich noch nie etwas vermisst habe. Das warme Duschen ist auf einmal nichts mehr wert im Vergleich zum klaren und kalten Wasser des Toba, das richtig auf der Haut zwiebelt und ich würde vieles geben, um die Abende in der Wohnung wieder gegen unser Lagerfeuer und den Stockbrot-Contest einzutauschen. Die Stadt ist einfach so furchtbar laut und hektisch, keine Spur von Ausgeglichenheit. Sogar das Shithole (made by the master of shithole himself) vermisse ich. Aber wir haben ja die vielen Fotos und all unsere Erinnerungen. Zum Beispiel die Bilder vom Wald kommen immer wieder in meinen Kopf. In einer Welt voller Superlative ist es wahnsinnig schwer, in Worte zu fassen, wie schön es im Toba Valley ist, denn es gibt kaum mehr außergewöhnliche Ausdrücke, die noch als etwas Besonderes gelten. Und das meine ich genauso wie es dort steht, es ist nicht nur so dahingesagt.

Mein ganz persönlicher Höhepunkt der Reise war es, als ich kurz vor dem Rückweg von der am höchsten gelegenen Sandbank einfach allein eine Runde gelaufen bin. Als ich die anderen nicht mehr gehört habe, habe ich meine Schuhe ausgezogen und bin an den rot verfärbten Gewässern (ich schätze, Eisenablagerungen) vorbeigelaufen. Immer als ich eine Schlange oder eine besonders filigrane Pflanze gesehen habe, bin ich angehalten, um sie mir genauer anzusehen. Einfach die Natur auf sich wirken lassen, mal nicht nachdenken, genau das fehlt mir jetzt. Es war meine eigene, absolut vollkommene Ruhe. Als ich dann bei den anderen angekommen bin, habe ich wieder zur Welt dazugehört, doch meine ganz persönliche, kleine Pause war sehr wichtig für mich.

Ich habe viel darüber gelernt, wie sehr man auf seine Umwelt achten kann. Die biologisch abbaubare Seife, das Vergraben vom Kompost, damit die Küchenabfälle nicht im Fluss herumschwimmen, und im Wald darauf zu achten, dass man keine Pflanzen umknickt, haben zumindest bei mir ein Umdenken bewirkt. Natürlich haben wir Spuren hinterlassen, aber nur die nötigsten, der Rest ließ sich ohne größeren Aufwand vermeiden und dieses Bewusstsein will ich mir erhalten.

Die Natur ist so eindrucksvoll, in viel größeren Maßstäben als bei uns und das Ökosystem funktioniert in seinen eigenen Kreisläufen, ohne menschliche Eingriffe. Dass dieser Ort schützenswert ist, ist offensichtlich und ich bin froh, dass ich ihn sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen durfte.

Lasst es euch gutgehen,

eure Emilia

WB-0369


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