Vor Australiens Küsten – Wobbegong City

Wildblog Team, 10. Juli 2015

Die Abendsonne erzeugt eine letzte magische, pastellfarbene Lichtstimmung am Horizont und in der Bucht.  Sanfte, auf einen goldenen Sandstrand zurollende Wellen im letzten Sonnenlicht und lässige Surfer mit einer Prise Hippie im Blut. Was für ein cooler Ort ! Wir sind in Byron Bay, einem Hippie-Surfer-Dorf mit  einer eigenen aussergewöhnlichen und entspannten Atmosphäre – und einem traumhaften Sandstrand am fast östlichsten Punkt Australiens. Ein Eldorado für Wellenreiter – aber auch unter Wasser sehr spannend und beeindruckend. Denn der malerischen Bucht vorgelagert befindet sich das Meeresschutzgebiet „Julian Rocks“.

Es wurde unter anderem als Schutzzone für den stark gefährdeten Sandtigerhai eingerichtet, von dem es nur noch ca. 1500 Exemplare vor Australiens Küsten geben soll.

 

Zur jetzigen Zeit finden sich dort  die ersten Sandtigerhaie ein um sich der Reproduktion Ihrer Art zu widmen. Aufrgrund Ihrer niedrigen Reproduktionsrate haben sich die Bestände dieser Haie immer noch nicht erholt. Sie gelten weiterhin vor den Küsten Australiens als „vom Aussterben bedroht“.

 

„Wenn sie Anfangs der Saison in Julian Rocks aufkreuzen sind sie immer noch sehr scheu. Das legt sich nach ein paar Wochen, wenn sich die Tiere an die Taucher gewöhnt haben“ berichtet mir Jack von „Sundive“ (http://www.sundive.com.au/ )

 

Wir haben leider gemerkt, dass wir am Anfang der Sandtigerhai-Saison standen und es blieb uns leider vergönnt richtig nahe an die Tiere heranzukommen. Doch einem stattlichen Exemplar konnten wir uns immerhin auf ca. 4 Meter nähern. Einen kürzeren Abstand lies das Tier nicht zu und einem Hai hinterherzujagen macht nicht wirklich einen Sinn –  und schon gar nicht in einem Gebiet wo er sich seiner Reproduktion widmet.

 

Doch zu unserer Überraschung profitiert auch ein anderer, eigentümlicher Vertreter der Haie  von der Einrichtung dieser Schutzzone rund um die drei Felsblöcke der Julian Rocks. Der Wobbegong !

 

Ein weiteres endemisch-australisches Eigengewächs, denn auch der gemeine Wobbegong(deutsch: Teppichhai) kommt weltweit nur vor den Küsten der südlichen Hälfte Australiens vor.

Durch den Fischereidruck sind diese Haie hier in New South Wales als „in ihrer Art gefährdet“ eingestuft. Das große Problem ist die Bodenfischerei, bei der die  Tiere zu oft als Beifang in den Fischernetzen landen.

 

Diese in Ihrem Aussehen abstrakte Haiart, ist ein Lauerjäger, der gut getarnt auf dem Meeresboden auf vorbeischwimmende Beutetiere wartet. Krebse, Kalmare, Oktopoden aber auch kleinere eigene Artgenossen gehören zu seinen Beutetieren. „Manchmal begeben sich die Tiere sogar aktiv auf die Jagd“ weiss mir Diveguide Marc zu berichten.

 

Sie gelten eigentlich als für den Menschen harmlose Haie. Wir stossen auf ein fast zwei Meter großes Exemplar und fangen an nur wenige Zentimeter vor seinem Kopf zu fotografieren und zu filmen. Nach dem Tauchgang weisst uns Marc jedoch auf das eigene Wesen dieser Haie hin und erzählt, dass es durchaus einige „Heißsporne“ unter diesen Tieren gibt. Diese reagieren dann sehr schnell und manchmal auch gereizt  – vor allem wenn man sich den Tieren zu plump und unbedarft nähert. Fast jeder Diveguide hat hier schon unliebsame Begegnungen mit den Teppichhaien gehabt und hatte sich mit einer Bissattacke auseinanderzusetzen, weil sie durch einen anderen Taucher gereizt wurden. Bei einem über zwei Meter langen Tier kann das auch schon etwas unangenehmer werden.Uns gegenüber blieben die Haie mit den franseligen Bärten jedoch wohlgesonnen. Die Erfahrungen und Informationen der Taucher vor Ort zeigen jedoch, dass Haie zwar nicht die Bestien sind, für die sie lange gehalten wurden, aber eben auch keine Kuscheltiere.

Der größte bislang vermessene Wobbegong kam auf 3,60 Meter Körperlänge.

 

Die Götter der Wasserdichtigkeit blieben uns jedoch nicht so wohlgesonnen wie die Wobbegongs. Kerstins Kameragehäuse war schon kurz vor dem ersten Abtauchen zur Hälfte mit Wasser gefüllt und meine Blitzsteuerung gab mir mit wildem Stroboskop-Feuer zu verstehen, dass sie auch den kleinsten Tropfen Salzwasser nicht mag. Ein Tag mit Schwarzweissbildern, einige Spülungen und Umbauten sollten unsere technischen Probleme wieder beheben.

 

Den Sandtigerhaien schwammen wir zwar etwas hinterher, doch waren wir umso überraschter und begeistert,  einen echten Hotspot der Wobbegongs angetroffen zu haben. Die sonst sehr seltenen Tiere waren hier zuhauf anzutreffen und man musste fast schon aufpassen nicht über eines der Exemplare zu „stolpern“.

Auch sonst war deutlich zu merken,  dass es sich in diesem Gebiet um eine geschützte Zone handelt. Enormer Fischreichtum kennzeichnete die Tauchgänge, bei denen man in diesem Gebiet  immer wieder mit dem ein oder anderen Großfisch rechnen kann. Große Adlerrochen und zwei kapitale Loggerhead Schildkröten (Unechte Karettschildkröte) kreuzten unseren Weg.

 

Nach einem letzten Tauchgang heisst es wieder Koffer packen, obwohl wir zu gerne noch einige Tage an diesem wunderschönen Ort geblieben wären. So verlassen wir mit einer Portion Wehmut Byron Bay und begeben uns Richtung Cairns am Great Barrier Reef, wo sich zu dieser Zeit die kleinste Unterart der Mink Wale  einfindet.  Eine kaum erforschte Zwergwal Art , die etwas an eine Miniaturausgabe des Blauwals erinnert. Wir sind gespannt…

 

Reinhard Mink

Photos & Copyright: Reinhard Mink und Kerstin Meyer

 


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