Spezielle Bewohner und Gäste vor Australiens Küste

Wildblog Team, 6. Juli 2015

Denkt man an Australiens Unterwasserwelt, so denkt man zwangsläufig an die bunten tropischen Rifflandschaften des Great Barrier Riffs.

Doch ähnlich wie an Land, existieren auch unter der Wasseroberfläche einige endemische Arten ,die es nur hier zu sehen gibt. Koalas und Känguruhs dürften die prominentesten Beispiele der landlebenden, endemischen Arten sein.

 

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht die Koalas und Känguruhs der Unterwasserwelt aufzuspüren und zu beleuchten.

 

So führte die Reise zunächst nach Adelaide, wo gerade der australische Winter beginnt.

Mit etwas Glück trifft man hier auf einen der bizarresten und vielleicht auch schönsten Küstenbewohner – den Leafy Sea Dragon.

 

Die Müdigkeit von der denkwürdigen 39-stündigen Anreise und die frische Wassertemperatur von 15 Grad Celsius liessen die Tauchgänge etwas ansterngend erscheinen, doch all die Mühen sollten sich lohnen.

 

Daniel Kinasz und Sharon Beckmann von „Diving Adelaide“ (www.divinadelaide.com.au) unterstützten uns bei der Suche nach den Seadragons und Dank Ihrer Erfahrung sollten wir auch schon beim ersten Tauchgang nach wenigen Minuten mit dem ersten Seadragon belohnt werden. Weder Walfotografin Kerstin Meyer noch ich konnten es kaum glauben als plötzlich eines dieser seltenen Geschöpfe über dem grünen Algen-Teppich direkt vor uns schwebte. Ohne Daniels geschultes Auge wären wir mit Sicherheit an unserem zotteligen Freund vorbeigeschwommen, denn seine blättrigen Auswüchse lassen ihn nahezu perfekt mit seiner Umgebung verschwimmmen.

 

Der Leafy Sea Dragon (auf deustch: Großer Fetzenfisch) ist ein naher Verwandter von Seepferdchen und Seenadeln.

Tarnung ist die Überlebenstrategie der Leafies. Sie werden bis zu 35 Zentimeter lang und zählen somit zu den Größten unter den Seepferdchen-Artigen. Kleine, kaum sichtabere, durchsichtige Flossen an seinem Körper, sorgen für den Antrieb.

 

Wie auch bei den Seepferdchen, sind hier die Männchen für das Austragen des um die 300 Eier umfassenden Brutgeleges verantwortlich. Im Gegenstaz zu den Seepferdchen haben sie allerdings keine Bruttasche am Bauch sondern ein Schwammartiges Gebilde an der Schwanzunterseite. Dort werden die Eier aussen am Körper für ca. 6 Wochen bis zum Schlüpfen befestigt.

 

Der Leafy Sea Dragon ist eine endemische Art. Sie kommt nur in den kühleren Gewässern Süd und Westaustraliens vor.

 

Bei einem solch eng umgrenzen Lebensraum, versteht es sich fast von selbst, dass sie als „stark bedroht“ auf der roten Liste der IUCN geführt werden.

 

Zudem stehen die Tiere aufgrund zweier weiterer Faktoren unter Druck.

Wo früher noch Eukalyptuswälder wuchsen, existiert heute eine intensive Landwirtschaft, die sich   auf die angrenzenden Küsten auswirken kann und im Extremfall zum Verlust des Lebensraumes führt. Und für eine derart begrenzte Anzahl von Vertretern einer Art, ist jeder Lebensraumverlust als drastisch zu bewerten. Wieder einmal ein Beleg wie nahe das Geschehen an Land mit dem Ökosystem „Ozean“ verbunden sein kann

 

Und auch die Wilderei macht vor diesen Tieren keinen Halt, denn in manchen asiatischen Aquarien gilt das Halten dieser Tiere als Statussymbol.

30.000 Dollar bezahlt der Vermittler für einen gefangenen Seadragon hier vor Ort – für 100.000 Dollar landet er letzlich bei seinem Besitzer, erklärt mir Daniel.

 

Mit der Hoffnung, dass diese sowohl wundersamen als auch wunderschönen Geschöpfe noch lange eine Heimat vor den Küsten haben werden, setzen wir unsere Reise fort. Unser nächstes Ziel heisst Byron Bay, 200 Kilometer südlich von Brisbane. Dort befindet sich ein Schutzgebiet für Sandtigerhaie.

 

Ansonsten war unsere Überraschung sehr groß, dass man hier im Süden sowohl große Känguruhs antrift, als auch keine schlechten Chancen hat einen freilebenden Koala zu sehen.

Reinhard Mink

Photos & Copyright: Reinhard Mink und Kerstin Meyer


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