Zwischen Ruhe und Aufregung

ScienceTeam, 22. August 2012

Heute bimmelt schon um 4 Uhr unser Wecker, denn wir (Sami, Hannes und ich) wollen die Dämmerung auf einem kleinen Aussichtsfelsen etwas südlich von unserem Lager verbringen. Dort haben wir immer wieder viele Wolfsspuren gefunden, und da sich unsere tierischen „Nachbarn“ noch nicht gezeigt haben, hoffen wir, ihnen vielleicht auf diese Weise begegnen zu können.

Einmal kommt ein Eichhörnchen aus dem Wald und huscht eine Zeitlang zwischen den angeschwemmten Baumstämmen herum. Dann die Zeit der Vögel: Robins und einige kleinere Vögel nutzen die späte Dämmerung, um zwischen dem Totholz und den angeschwemmten Algen auf Nahrungssuche zu gehen. Und plötzlich höre ich das nahe Flügelschlagen der großen Raben, die in einem großen Schwarm alle gleichzeitig Richtung Norden den Strand entlang fliegen. Aber die meiste Zeit ist einfach nur die Stille das größte Erlebnis und die dabei langsam aufgehende Sonne.

Nach gut zwei Stunden machen wir und auf den Rückweg und tauschen dabei unsere Beobachtungen aus. Jeder hat seine eigenen Entdeckungen gemacht, aber die Raben haben wir alle gesehen.

Ich wandere dann noch nach Norden den Strand entlang, genieße den frühen Morgen und die Einsamkeit. Das ist es wohl auch, was ich auf Porcher am meisten schätze: die Möglichkeit Stille und Ruhe zu finden, unberührtes traumhaft schönes Land zu genießen und mal ganz allein mit mir selbst sein zu können.

Aber heute erwarten wir Zuwachs für unsere Gruppe: Kai und Ellen zusammen mit vier weiteren Personen wollen zu uns stoßen. Das Boot erwarten wir um 10 Uhr. Dafür bereiten wir ein kräftiges Brunch vor, Fred und ich frühstücken schon etwas vorab, Sami und Hannes schlafen sich noch einmal aus. Das Boot kommt auch wirklich relativ pünktlich in unserer Bucht an. John, der Bootsfahrer versucht erst, in der südlichen Bucht anzulanden, wie wir es vorgeschlagen hatten, kann aber den von uns ausgespähten Weg durch den ausgedehnten Kelpwald leider nicht finden. So ankert er schließlich eine Bucht weiter nördlich, obwohl Hannes und Sami auf dem mittleren Felsen stehend heftig gestikulieren. So aber müssen nun alle samt Gepäck über das große glitschige „Geröllfeld“, das bei Ebbe der Bucht vorgelagert ist. Seufzend machen wir uns an die Schlepperei…

Hannes und ich beschließen danach, heute keine weiteren Messungen mehr zu unternehmen und genießen den Strand an einem besonders sonnigen, heißen Tag, an dem einige von uns das Bad in dem allerdings sehr kühlen Nass (ca. 10°C) sogar richtig genießen.

Am Abend besuchen uns wieder die Orcas, diesmal sogar noch näher als zuvor. Dann erwartet uns noch eine weitere Besonderheit des Meeres: Direkt vor unserer Feuerstelle „landet“ ein riesiger Schwarm kleiner Fische, die „Surf Smelts“. Die etwa 15 cm großen sehr zappeligen Fischchen wollen in dem Sand ablaichen und werden Welle um Welle angetrieben, um von der nächsten wieder mit ins Wasser genommen zu werden. Was für ein Leben! Das Fangen für das Abendessen ist denkbar einfach. Man greift einfach hinein in das kühle Nass und schmeißt das, was in den Händen bleibt, an Land. Kai ist besonders geschickt beim Fangen, andere sind beim Auflesen aktiv, ich mache Fotos J. So können wir zum Abendessen verschiedene Variationen der kleinen Fische genießen und uns dabei von den Aufregungen des Fangens erholen.

 


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